Lohnt sich jetzt noch ein Einstieg an der Börse?

Die amerikanischen Börsen stehen aktuell so hoch wie nie zuvor und der Dax hat letzte Woche auch mal kurz am Allzeithoch angeklopft. Seit dem letzten Crash 2008, 2009 haben sich die Aktienkurse teilweise mehr als verdreifacht. Kann das so weitergehen? Die Crashgurus prophezeien bereits seit geraumer Zeit den nächsten großen Zusammenbruch der Börsen. Lohnt es sich da jetzt noch einzusteigen und Kapital zu investieren?

Diese Frage kann niemand pauschal beantworten, denn am Ende geht es darum, was für ein Typ Anleger man ist. Professionelle Trader, die mit gehebelten Derivaten handeln, werden diese Frage mit ja beantworten, da sie ihr Geld bei hoher Volatilität machen, egal ob die Kurse steigen oder fallen. Dies ist allerdings etwas für absolute Spezialisten und dem normalen Anleger, der sich nicht tagtäglich mit der Börse beschäftigt, definitiv nicht zu empfehlen!

Aber in diesem Blog geht es ja auch vornehmlich um eine solide und langfristige Anlagestrategie. Persönlich bin ich aktuell etwas vorsichtiger unterwegs und baue Liquidität auf, anstatt aktiv Investments zu tätigen. Zwar rechne ich nicht mit einem großen Crash, in dem der gesamte Markt um 50% oder mehr zurück geht, aber die Vorzeichen für eine gewisse Marktkorrektur von 10-15 % sind meines Erachtens definitiv gegeben.

Woran mache ich das fest? Der amerikansiche Aktienmarkt, ist historisch gesehen stark überbewertet. Zur Veranschaulichung möchte ich dazu auf das sogenannte Shiller-KGV verweisen. Das KGV ist eine Bewertungskennzahl und gibt das Kurs-Gewinn-Verhältnis einer Aktie oder eines Aktienindex wieder. Der Nobelpreisträger Robert Shiller bezieht sich bei seiner Berechnung des KGV allerdings auf die durchschnittlichen Gewinne der letzten 10 Jahre, bereinigt um die Inflation, wodurch die Kennzahl weniger anfällig für kurzfristige Ausschläge ist.

Dem Graphen ist zu entnehmen, dass das aktuelle Shiller-KGV des S&P 500 bei einem Wert von 28,71 liegt. Damit ist der aktuelle Aktienmarkt höher bewertet als zur Zeit des letzten Börsencrash in 2009 (Subprime-Krise).

Shiller-KGV für den S&P 500. multpl.com

Das muss für die nahe Zukunft nichts heißen, da die Börsen auch durchaus noch über einen längeren Zeitraum steigen können. Es ist jedoch ein Warnzeichen, denn über kurz oder lang kehren die Märkte immer wieder auf ihren Median (Mittelwert) zurück. Dieser liegt in einem Betrachtungszeitraum von 1881-2017 bei 16,12 und würde eine Überbewertung von 44% signalisieren.

Heißt das jetzt, dass der Aktienmarkt Gefahr läuft, um 44% einzubrechen? Ich weiß es natürlich nicht, denn niemand hat eine Glaskugel und kann die Zukunft voraussehen. Persönlich glaube ich, dass es nicht so extrem enden wird, da wir uns aktuell in besonderen Zeiten befinden.

Die Zinsen sind aktuell immer noch auf einem historisch niedrigen Niveau, weshalb es aktuell so gut wie keine Alternative zur Aktienanlage gibt. Der Rentenmarkt ist „tod“ und Immobilien aufgrund der niedrigen Zinsen stark überbewertet. Dementsprechend suchen Investoren ihr Heil in der Aktienanlage, da sie dort zum Teil Dividendenrenditen von 3% und mehr erwarten können. Aktuell hat die amerikanische Zentralbank zwar ihre Zinsen leicht um 0,25% auf 1,0% angehoben, doch bedenkt man das vor der letzten Finanzkrise der Leitzins bei 5,25% lag, so wird deutlich, dass hier noch viel passieren muss um dieses Niveau wieder zu erreichen.

Damit will ich sagen, dass aufgrund der niedrigen Zinsen und der damit einhergehenden alternativlosen Anlagemöglichkeiten, eine gewisse Überbewertung des Aktienmarktes durchaus gerechtfertigt erscheint.

Demzufolge habe ich bei einer weiteren Betrachtung des Shiller-KGV’s die Zeitraumwahl auf die letzten 30 Jahre beschränkt, da dadurch das niedrige Zinsumfeld der letzten Jahre stärker gewichtet wird. Bei dieser Analyse hat sich ein mittleres Shiller-KGV von 24,72 ergeben, was einer Überbewertung des Aktienmarktes von 14% entspreche und damit meine Eingangsthese einer drohenden Marktkorrektur von 10-15% unterstützen würde.

Hinzu kommt die Wahl des neuen US-Präsidenten, Donald Trump, der u.a. versprochen hat, große Investitionen in die amerikanische Infrastruktur zu tätigen und die Steuern für amerikanische Unternehmen zu senken. Diese Ankündigungen hat der Aktienmarkt zu großen Teilen bereits eingepreist. Sollten diese Versprechen nicht eingelöst werden, könnte dies die Initialzündung für eine Marktkorrektur sein.

Wie sieht es in Deutschland und Europa aus?

Die europäischen Börsen laufen bereits seit geraumer Zeit dem amerikanischen Aktienmarkt hinterher und sind bei weitem nicht so hoch bewertet. Leider konnte ich keine Quelle für das Shiller-KGV des deutschen Leitindex Dax finden, weshalb ich das durchschnittliche KGV der letzten 10 Jahre (17,98) betrachtet und dieses in Relation mit dem zu erwartenden KGV für 2017 (16,07) gesetzt habe. Daraus resultiert eine Unterbewertung des Dax von aktuell ca. 12%.

Da fragt man sich natürlich: Warum sind der Dax und andere europäische Indizes so niedrig bewertet?

Im wesentlichen sehe ich den Grund dafür in der drohenden Gefahr eines auseinanderbrechenden Europas begründet. Denn die Südeuropäischen Staaten wie Griechenland, Spanien, Italien Portugal und auch Frankreich sind  hoch verschuldet, unproduktiv und leiden an hoher Arbeitslosigkeit.

Auch wenn es medial aktuell kein großes Thema ist, die Staatsschuldenkrise ist noch lange nicht ausgestanden und wird noch für einige Turbulenzen an den Märkten sorgen. Dies wiederum befeuert den Vormarsch vieler rechtspopulistischen Parteien, der fast überall in Europa zu beobachten ist. Diese Parteien sind gegenüber der EU alles andere als freundlich gestimmt, sodass hier eine reale Gefahr einer Destabilisierung der Eurozone besteht sollte z.B. Marie Le Pen die Wahlen in Frankreich gewinnen. Die Briten haben es mit dem Brexit bereits vorgemacht und im letzten Sommer für den Austritt aus der EU gestimmt. Sollte dies in den nächsten Jahren Nachahmer finden, kann dies schmerzhafte Folgen für die europäische Wirtschaft und somit auch für die Aktienmärkte haben. Aus dieser risikobehafteten Gemengelage heraus sind Investoren gegenüber  europäischen Aktien eher abwartend ausgerichtet, weshalb ein großteil der Liquidität eher in den amerikanischen Markt fließt.

Resümierend kann festgehalten werden, dass es aktuell sehr schwierig ist, eine eindeutige Investitionsempfehlung für die Aktie auszusprechen, da momentan extrem viele Unsicherheiten und somit Risiken für die Märkte bestehen. Wegweisend für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte wird die Umsetzung der Investitions- und Steuerversprechen Donald Trump’s, sowie die französische Präsidentschaftswahl in diesem April sein.

So lange diese Punkte nicht geklärt sind, bleibe ich aktuell eher an der Seitenlinie und warte die weitere Entwicklung ab.

Ich wünsche euch frohe Ostern und ein paar schöne freie Tage!

Stay finatic!

 

Bildquelle: Marko Greitschus  / pixelio.de

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