Mein Plädoyer für die Aktienanlage

Stichworte wie „Neuer Markt“ oder „Subprime-Krise“ lassen viele Menschen mit gemischten Gefühlen auf die Aktienanlage blicken. Skeptiker argumentieren mit der hohen Volatilität und dem potentiellen Risiko eines Totalverlustes.

In der Tat gab es in der Vergangenheit immer wieder Phasen, in denen der komplette Aktienmarkt um über 50% zusammenbrach und dadurch viele Anleger eine Menge Geld verloren haben. Und klar, wenn man in eine Aktie XY investiert und dieses Unternehmen dann Pleite geht, ist das Geld natürlich weg.

So weit so gut. Denke ich trotzdem, dass es sinnvoll ist in den Aktienmarkt zu investieren? Auf jeden Fall!

Man muss dafür nur wenige Dinge wissen, dafür aber an eine Sache glauben. 😉

Wissen muss man, dass Börsen zwar schwanken, aber statistisch gesehen bei einer langfristigen Haltedauer, rückblickend, fast immer eine positive Rendite erzeugt haben. Ein gutes Beispiel ist des deutschen Anlegers liebstes Kind, der DAX. Das Deutsche Aktieninstitut veröffentlicht jährlich das sogenannte DAX-Rendite-Dreieck, aus dem hervor geht, dass man bei einem Anlagehorizont von mindestens 13 Jahren, innerhalb der letzten 50 Jahre zu keinem Zeitpunkt und sei er noch so schlecht gewesen, eine negative Rendite erzielt hat.

Was heißt das z.B. für die Leute die den Börsencrash des Neuen Marktes ab dem Jahr 2000 als Argument gegen die Aktienanlage ins Feld führen? Hätte man Ende 1999 zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt in den DAX investiert und bis Ende 2016 gehalten, dann wären immerhin 3,0% Rendite pro Jahr dabei rum gekommen. Das wären bei einem 10.000 € Investment immerhin noch ca. 16.500 € gewesen. Und das dafür, dass man eigentlich fast alles falsch gemacht hat und zum Höchststand, direkt vor dem Crash, gekauft hat! Kein schlechtes Schmerzensgeld…

Gleiches gilt für die letzte große Verwerfung am Aktienmarkt, die Subprime-Krise. Wäre man Ende 2006, kurz vor der Lehman-Pleite, in den DAX eingestiegen und hätte die nachfolgende Krise einfach ausgesessen, hätte man bis Ende 2016 immerhin noch 4,0% Rendite pro Jahr eingefahren.

Was sagt einem das jetzt? Ganz einfach, statistisch betrachtet ist die Aktienanlage, wird sie langfristig und breit diversifiziert betrieben, ein echter Renditebringer!

Eine breite Diversifikation kann man z.B. mit Hilfe sogenannter Exchange Traded Funds, kurz ETFs, erzielen. Diese passiv verwalteten Fonds replezieren Indizes wie den DAX oder den S&P 500 und machen es privaten Anlegern so einfacher, breit in verschiedene Indizes, die eine Vielzahl an Aktien beinhalten, zu investieren. Es gibt z.B. ETFs, wie den MSCI World, der die weltweit größten 1600 Unternehmen verschiedenster Länder, Branchen und Währungen bündelt und seit 1970 eine durchschnittliche Rendite von 6,8 % erzielt hat. So kann man mit wenigen ETFs relativ leicht ein Weltportfolio zusammenstellen, welches annähernd die komplette Weltwirtschaft abbilden kann.

Eine weitere wunderbare Sache die uns bei der langfristigen Aktienanlage unterstützt ist der Zinseszins. Für mich persönlich ist das die Komponente, die einen an einer Aktienanlage eigentlich nicht mehr vorbei kommen lässt. Die, die sich mit dem Zineszins noch nicht auseinandergesetzt haben, wird das nachfolgende Beispiel von den Socken hauen.

Nehmen wir an, wir investieren 10.000 € in den MSCI World, mit dem man eine durchschnittliche jährliche Rendite von 6,8% erzielt. Was glaubst du, auf wieviel Euro wird dieses Investment in 10, 20, 30 oder 40 Jahren angewachsen sein?

Hier die Auflösung:

  • Nach 10 Jahren erzielt man eine Rendite von 81%, was einem Gesamtbetrag von 18.100 € entspricht
  • Nach 20 Jahren erzielt man eine Rendite von 249%, was einem Gesamtbetrag von 34.900 € entspricht
  • Nach 30 Jahren erzielt man eine Rendite von 574%, was einem Gesamtbetrag von 67.400 € entspricht
  • Nach 40 Jahren erzielt man eine Rendite von 1.201%, was einem Gesamtbetrag von 130.100 € entspricht

Wer z.B. mit 20 Jahren anfängt und über 40 Jahre regelmäßig 200 € in den MSCI World einzahlt, hat mit 60 Jahren eine halbe Millionen Euro auf dem Depot liegen.

Diese Beispiele zeigen, Geld arbeitet wirklich für einen. Man muss nur ein paar Regeln beachten und ihm die nötige Zeit geben. So kann aus einem kleinen Schneeball eine große Geldlawine werden!

Fassen wir zusammen:

Mit einer breit diversifizierten Anlage in den Aktienmarkt (z.B. über ETFs wie den MSCI World), kann über einen langfristigen Zeitraum (10 Jahre und länger) eine erhebliche Rendite zu einem sehr geringen Risiko erzielt werden. Der Zinseszins ist dabei so etwas wie unser Nachbrenner, der umso stärker auf die Rendite wirkt, desto länger der Anlagehorizont ist.

Kommen wir nun zu der Glaubensfrage.

Aktienkurse geben die Erwartungen der zukünftigen Unternehmensentwicklung und ihre Gewinne wieder. Wenn man nun also langfrisitg und breit in den Aktienmarkt investieren will, gilt es sich die folgende Frage zu beantworten:

Glaube ich daran, dass die Weltwirtschaft langfristig weiter wachsen wird?

Ohne Wachstum wird es auch für Börsennotierte Unternehmen schwierig, ihre Gewinne weiter zu steigern. Bis zu einem gewissen Grad kann Wachstum über Produktivitätssteigerungen oder Unternehmenskonsolidierungen aufrecht erhalten werden. Doch langfristig ist dies nicht bis ins unendliche möglich, weshalb Wirtschaftswachstum für eine steigende Börse unabdingbar ist.

Aber wie realistisch ist es jetzt, dass die Weltwirtschaft auch über die nächsten Dekaden weiter wachsen wird? Ich habe versucht mir die Frage folgendermaßen zu beantworten:

  • Wenn ich den Entwicklungsstand von Deutschland, Frankreich, Italien oder den USA betrachte, glaube ich, dass in diesen oder anderen entwickelten Ländern der aktuelle Lebensstandard das Maximum erreicht hat? Oder werden auch in Zukunft die Menschen nach mehr streben (mehr Wissen, mehr Einkommen, mehr Flexibilität, mehr Produktvielfalt, mehr Qualität, mehr Luxus, mehr Konsum)? Ich denke ja!
  • Wenn ich mir Länder wie China, Indien, Russland oder Brasilien angucke, glaube ich das diese Länder in ihrer Entwicklung stehen bleiben? Glaube ich, dass die Menschen dort aufhören nach einem besseren Leben zu streben? Werden Unternehmen in diesen Wachstumsregionen zukünftig ihre Investitionen zurückhalten und auf Gewinne verzichten, weil die Menschen dort das Bedürfnis nach einer höheren Lebensqualität haben? Never ever!
  • Wird Europa in Zukunft noch mehr Entwicklungshilfe für die Krisenregionen dieser Welt leisten, um Fluchtursachen zu bekämpfen? Werden aktuelle Kriegsgebiete zerstört bleiben oder werden die Menschen versuchen ihre Heimat wieder aufzubauen und zu neuem Leben zu erwecken? Um diese Frage mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit ja zu beantworten, brauchen wir nur in unsere eigene Geschichte kanpp 60 Jahre zurück zu blicken.

Ich könnte jetzt noch weiter machen und andere Beispiele anführen, aber ich glaube es ist klar geworden, wie ich zu der oben gestellten Frage stehe.

Natürlich wird es auch in Zukunft Phasen geben, in denen wir oder andere Wachstumstreiber in eine Rezession oder vielleicht sogar, Gott behüte, in einen Krieg fallen. Das hat es in der jüngeren Vergangenheit immer gegeben und wird auch in der Zukunft unvermeidbar bleiben. Doch die Menschen haben es, egal wie schlecht es stand, immer wieder geschaft, diese finsteren Zeiten hinter sich zu lassen.

Somit kann ich die Wachstumsfrage für mich mit ja beantworten und werde dementsprechend weiter in Aktien investieren!

Welche Erfahrungen hast du bereits mit Aktien oder ähnlichen Anlagen gemacht? Ich freune mich auf dein Kommentar!

Stay finatic!

 

Bildquelle: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

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