Wie wird man zum Investor?

„Vorbereitung ist das halbe Leben!“ – So auch beim investieren. Bevor man sich überlegt sein Kapital an der Börse, im Immobilienmarkt oder sonst wo zu investieren, gibt es diverse Vorarbeiten die zu berücksichtigen sind.

Weiterhin sollte dem Leser dieses Beitrages klar sein, dass wenn ich hier vom Investieren schreibe, ich dabei einen langfristigen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren (eher 20-30 Jahre) im Hinterkopf habe.

Ziel definieren

Hinter jedem Masterplan steht ein konkretes Ziel. Daher gilt es, zu aller erst einmal in sich hinein zu horchen und sein persönliches Ziel heraus zu arbeiten. Denn nur wenn man weiß was und wohin man will, kann auch ein dementsprechender Plan entwickelt werden. Dies ist gar nicht so leicht, wenn man zuvor noch nie darüber nachgedacht hat. Umso wichtiger ist es, sich ausreichend Zeit für seine persönliche Zielfindung zu nehmen. Denn am Ende sollte man sich ziemlich sicher sein, dass das gewählte Ziel wirklich genau das ist was man will. Schließlich wirst du darauf die nächsten 20, 30 oder sogar 40 Jahre hin arbeiten!

Vermeiden sollte man auf jeden Fall so Formulierungen wie, „Mit ca. 50 Jahren möchte ich finanziell frei sein!“. Ein solches Ziel wäre zu unkonkret, da es zu viel Spielraum für eine nachträgliche „Modifikationen“ lässt. Im schlimmsten Fall betrügt man sich am Ende selbst und fängt an sein ursprüngliches Ziel aus dem Auge zu verlieren. Daher sollte ein Ziel immer genau spezifiziert und messbar sein. Z.B.:  „In 30 Jahren möchte ich finanziell frei sein, d.h. ein monatlichen Cashflow von 3.000 € durch passives Einkommen erzielen.“

Dieses Ziel ist klar spezifiziert (3.000 € / Monat durch passives Einkommen) und durch den vorgegebenen Zeitrahmen genau  messbar (in 30 Jahren). Daneben sollte das gewählte Ziel aber auch realistisch sein, damit die Motivation nicht schon am Boden ist, bevor es überhaupt erst richtig los geht. Diese Übung muss aber jeder für sich selbst machen, da die Startbedingungen, Investitionsmöglichkeiten und vor allem die persönlichen Ambitionen bei jeder Person unterschiedlich sind.

Die Bestandsaufnahme

Sobald das persönliche Ziel spezifiziert und verinnerlicht ist, geht es darum die Ausgangsposition seiner anstehenden Investorenkarriere auszuloten. Hierbei stellt man eine persönliche Bilanz auf, in der die durch Eigen- und Fremdkapital finanzierten Vermögenswerte aufgelistet werden. Dadurch erhält man einen Überblick über seine persönliche Vermögenssituation und welchen Teil davon man für seine zukünftigen Investitionen verwenden kann.

Dabei sollte darauf geachtet werden, dass immer ein gewisser Notgroschen für unvorhergesehenes, z.B. die berühmte neue Waschmaschine oder eine ungeplante Autoreparatur, zur Verfügung steht. Ich denke so 5.000 – 10.000 € sind dabei ein guter Richtwert, der einen davor schützt in einer Notsituation sein investiertes Kapital angreifen zu müssen. Steht dieses Geld aktuell nicht zur Verfügung, plädiere ich dafür den notwendigen Betrag  anzusparen. Und dieses zwingend, bevor die ersten Investitionen getätigt werden.

Weiterhin sollte eine persönliche Gewinn- und Verlustrechnung aufgestellt werden, anhand derer man das freie, für Investitionen zur Verfügung stehende Cash ermittelt. Dazu versucht man alle Kosten die im täglichen Leben anfallen aufzulisten (Miete, Versicherungen, Nahrungsmittel, Kleidung, Auto, Urlaube usw.) und dann auf einen Monat runter zu brechen. Hierbei ist es sehr wichtig wirklich alle Kosten zu erfassen, wobei z.B. ein regelmäßig geführtes Haushaltsbuch sehr hilfreich sein kann.  Anschließend zieht man die so ermittelten monatlichen Kosten von den monatlichen Einnahmen (Gehalt und sonstige Einnahmen) ab und erhält so seinen monatlich investierbaren Betrag.

An dieser Stelle noch eine kurze Warnung von mir. Bitte betrügt euch nicht selbst und kalkuliert mit weniger Kosten oder mehr Einnahmen, als es am Ende tatsächlich sind. Denn das würde bedeuten, dass ihr jeden Monat mehr ausgebt, als euch tatsächlich zur Verfügung steht, was wiederum früher oder später euer investiertes Kapital verzehren wird.

Die Investmentstrategie

Wir haben nun die grundlegenden Pflichtübungen erfüllt, wissen wohin wir wollen und welche finanziellen Mittel dafür zur Verfügung stehen. Jetzt geht es daran, die geeignete Anlageform zu finden, was einen bei den schier unbegrenzten Auswahlmöglichkeit des heutigen Finanzdschungels vor große Herausforderungen stellen kann. Hier gilt die alte und einfache Investorenweisheit, „Kaufe nur das was du auch verstehst“. Und daran solltest du dich immer halten!

Wie und in was soll man nun aber investieren? Du wirst jetzt vielleicht enttäuscht sein, aber das richtige Investment hängt von so vielen persönlichen Präferenzen und Eigenschaften ab, sodass diese Frage pauschal nicht beantwortet werden kann! Wenn man sich mit dem Investieren jedoch ein wenig beschäftigt, entwickelt man oftmals relativ schnell ein gewisses Interesse für das eine oder das andere und merkt was einem liegen könnte.

Bei mir war es zum Beispiel so, dass mich von je her die Börse fasziniert und in ihren Bann gezogen hat. Nach einer ersten Anlaufphase, geträu dem Motto „try and error“, habe ich dann versucht eine für mich geeignete Investmentstrategie zu entwickeln, wobei ich auf so zahlreiche Ansätze gestoßen bin, dass ich erst mal gar nicht mehr klar kam. Es gibt Einzelaktien, Aktienfonds, Investmentfonds, ETFs, Optionen, Optionsscheine, CFDs, Futures, Devisen, Rohstoffe und weiß der Kuckuck was es noch alles gibt. Man kann aktiv oder passiv investieren und dabei mit viel (z.B. Hebelprodukten) oder wenig (z.B. Staatsanleihen) Risiko agieren. Ich kann Aktien, bzw. die Unternehmen dahinter, fundamental oder per Chartanalyse bewerten, auf steigende, aber auch auf fallende Kurse setzen, prozyklisch oder antizyklisch handeln und dabei auf Growth und/oder Value Werte zurückgreifen. Es gibt den von Warren Buffet propagierten Buy & Hold Ansatz, die Levermannmethode, verschiedene Dividendenstrategien und vieles vieles mehr.

Das soll einen jetzt nicht abschrecken, aber man sieht, dass das Thema Börse in Teilen sehr komplex und vielschichtig ist. Andererseits ist die Börse vielleicht gar nicht dein Ding und du willst sowieso viel lieber in Immobilien investieren. Sei versichert, auch hier liegt das Geld nicht einfach wahllos auf der Straße rum.

Auch hier wird man nicht umhin kommen, sich weiterzubilden um Zusammenhänge zu verstehen, sowie Chancen und Risiken erkennen zu lernen.

Schlussendlich kommen wir somit, und hier schließt sich der Kreis, auf das Eingangszitat zurück: „Vorbereitung ist das halbe Leben!“

Stay finatic!

 

Bildquelle: Thorben Wengert / pixelio.de

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